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InhaltMuss erwähnt werden, dass sich Harry, mittlerweile 13 Jahre, bei den Dursleys ganz erheblich mopst? Nein. Eine Tante ist zu Besuch, Harry verzaubert sie in einen voluminöser werdenden Wasserball, haut samt Überssekoffer und Eule Hedwig ab, wird vom Fahrenden Ritter in dessen dreistöckigem lila Bus aufgesammelt und im Tropfenden Kessel abgesetzt. Hier wartet schon Zaubereiminister Cornelius Fudge auf Harry. Nicht aber, um ihn zu bestrafen - schließlich hat Harry verbotenerweise außerhalb von Hogwarts gezaubert - sondern, um ihn wohlbehalten in sein drittes Jahr nach Hogwarts zu geleiten. Irgendwas ist passiert. Und auf der Zugfahrt erfährt Harry auch, was. Der böse Zauberer Sirius Black ist aus dem Gefängnis Askaban ausgebrochen und will Harry töten. Wie er hat entkommen können, ist völlig unverständlich - an den Dementoren, jenen schrecklichen Wächtern ist noch nie jemand vorbei gekommen. Diese "Totesser" tauchen im Zug nach Hogwarts auf. Und sie bleiben in Hogwarts - bzw. um Hogwarts herum postiert. Der Legende nach war Black verantwortlich dafür, dass Lord Voldemort Harrys Eltern aufspüren und schließlich umbringen konnte. Und die Dementoren stehen bereit, Black engültig seiner Seele zu berauben. "Sie nehmen Dir all Deine guten Erinnerungen und zwingen Dich, Deine schlimmsten Albträume wieder und wieder zu durchleiden", klärt Hagrid Harry auf... Was zu sagen wäreDie Buchvorlage war um vieles besser als die beiden Vorgänger. Endlich hatte sich J.K. Rowling frei geschrieben. Aus der allein erziehenden Sozialhilfeempfängerin, die mit ein paar netten Gutenachtgeschichten um einen Zaubererschüler zu Geld gekommen war, war eine selbstbewusste Schriftstellerin geworden, die das Schicksal ihres Hauptcharakters sehr genau überwacht und entwickelt. Das kam dem Buch zu Gute. Das kommt dem Film zu gute. Dem Film kommt auch zu Gute, dass nicht mehr Special-Effects-Abenteuer-Kintopp-Regisseur Chris Columbus die Regie führt. Der neue, Alfonso Cuarón, hat aus dem poppig-bunten Zauberermärchen eine realistische Düsterfantasy aus der ohnehin unübersichtlichen Welt pubertierender Teenager gemacht. Er hat die Kulissen auseinander genommen, das Gelände rund um Hogwarts neu designen lassen und liegt damit viel näher am Buch. Es ist eine wahre Freude, wieviele Szenen jetzt unter freiem Himmel vor der Schule stattfinden, die diesen jetzt wirklich imposanten Bau aus immer neuen Winkeln zeigen. Endlich ist die Schule so verwinkelt, wie das im Buch immer behauptet wird. Im Hogwarts-Gebäude der Vorläuferfilme war Verlaufen ganz schön schwierig. Cuarón hat dankenswerterweise auch auf ein paar andere Seriengesetze verzichtet:
Unter Columbus' Regie wurde aus solchen Szenen aneinandergeklebtes Stückwerk. Cuarón zaubert. Er komponiert, steigt aus Szenen so aus wie er eingestiegen ist. Wunderbar, wie der Regisseur in das Klassenzimmer "einsteigt", in dem Professor Lupin die Abwehr magischer Geschöpfe lehrt und auf demselben Weg wieder "aussteigt". Elegant, wie er Harry und Hermine auf ihre kleine Zeitreise begleitet, dazu mit der Kamera langsam aus dem Schulgebäude durch das große Uhrwerk hinausschwebt und auf demselben Weg auch wieder zurück kommt. Überhaupt (nur am Rande bemerkt): Dieses offene Uhrwerk mi dem gigantischen Pendel ist optisch eine hinreißende Idee. Die Akteure: Daniel Radcliffe hat viel von seinem Kindergequike verloren und kann jetzt mehr, als nur die Augen verdrehen. Harrys Reifeprozess gewinnt an Kontur und Radcliffe kriegt das einigermaßen hin: Zum ersten Mal geht er entschieden gegen seine Ängstlichkeit und sein Trauma vor. Er tritt seinen Verwandten offen entgegen, ist entschlossen, sich seinen Ängsten zu stellen. Dabei wird es aber langsam zum Problem, dass die 15jährigen Akteure hier noch 13jährige spielen. Ungewollt beginnt es zwischen Ron und Hermine schon jetzt zu knistern. Dabei geht es doch im Hogwarts dieser Teenager so keusch vor, dass man Angst bekommen möchte um den Fortbestand der Menschheit (aber das ist ja schon in den Büchern so). Eine schöne Nebenrolle ist Professor Trelawney, die Wahrsagelehrerin an Hogwarts. Emma Thompson gibt sie mit Flaschenboden-Brille und gigantischer Spiellaune. Wunderbar. Snapes Part ist größer geworden, endlich also Gelegenheit für Alan Rickman, aufzudrehen. Gary Oldmans Sirius Black ist natürlich ein Gewinn; aber alles andere als ein grandioser Auftritt wäre eine Enttäuschung gewesen. Die Dementoren, die laut Roman eher aussehen, wie die Schwarzen Reiter ("Ringgeister") aus dem Herrn der Ringe, haben hier ein extrem wirkungsvolles, gruseliges Äußeres erhalten. Gut gelöst. Ein Kinderfilm ist das nicht mehr. Die Serie ist merklich erwachsener geworden - FSK-Freigabe "ab 12". Statt kindlicher Hänseleien gibt es nun handfeste Auseinandersetzungen (in der Hermine zeigen darf, wer hier der Kopf der Dreiertruppe ist), und dass selbst in Hogwarts die Todesstrafe für Kuscheltiere verhängt wird, daran muss sich ein junges Publikum sicher gewöhnen - von Dementoren, Werwölfen und fetten Ratten ganz zu schweigen. Gegen zu viel Düsternis stellt schon der Roman die Ersatz-Vater-Sohn-Beziehung Lupins zu Harry, für die Cuarón sehr schöne Bilder und Orte findet. Die Schwächen des Films liegen im erwähnten Nummernrevue-Charakter, der manche Wendung der Geschichte etwas wirr erscheinen lässt. Der Kriminalplot und die Spannung bleiben hingegen erhalten. Mal sehen, ob das der britische Regisseur Mike Newell mit "Der Feuerkelch" auch so gut hinbekommt. Wertung: 6 von 6 €uro Der Stein der Weisen |