Clooney hinter der Kamera
Großartig und Wunderbar
| Titel |
Geständnisse - Confessions of a dangerous mind
(Confessions of a dangerous mind) |
| Drehbuch |
Charlie Kaufman |
| Regie |
George Clooney, USA 2002 |
| Darsteller |
Sam Rockwell, Drew Barrymore, George Clooney, Julia Roberts, Brad Pitt, Matt Damon u.a. |
| Genre |
Drama |
| Filmlänge |
113 Minuten |
Inhalt
Chuck Barris wäre beinah viel früher gescheitert. Aber als er so um die 30 war, kaufte ihm das TV-Network das Konzept für seine Sendung "The Dating Game" ab - wir kennen das bei uns als "Herzblatt". Später kamen Flachbirnen-Shows wie "The Gong-Show" hinzu; hier durfte buchstäblich jedermann (und -frau) zeigen, was er/sie konnte - meistens konnte er/sie nichts und wurde hämisch johlend von der Bühne gegongt. Die Presse geiferte, Barris unterbiete leichtfüßig jedes bekannte Niveau.
Zu der Zeit hatte bereits der Mann vom CIA Kontakt zu Chuck aufgenommen und ihn zum professionellen Killer im Auftrag der Vereinigten Staaten ausgebildet. Eine Aufgabe, der sich Chuck eher widerwillig hingab - sie gab ihm halt einen gewissen Kick.
Mit seinem TV-Erfolg wuchs seine Killerunlust, aber für solche Fälle hielt man Patricia bereit, eine glutäugige Kontaktfrau, die den Begriff "Kontakt" durchaus freigiebig interpretierte.
Daraufhin bekam Chuck Ärger mit seiner geliebten und liebevollen Penny und irgendwann hatte auch der Sender von seinen Shows die Nase voll - wie von jeder Show, bei der die Quote begann, zu sinken.
Als wir Chuck kennen lernen, ist er ganz unten. Und bevor er sich dann wohl umbringen wird, will er noch aufschreiben, was es aus seinem Leben zu erzählen gibt: "Ich habe Popsongs geschrieben", beginnt sein Text, "ich war Fernsehproduzent. Außerdem habe ich 33 Menschen getötet."
Und die ganze Story soll sich auch tatsächlich so zugetragen haben...
Was zu sagen wäre
Wow! Charlie Kaufman ("Being John Malkovich", "Adaption") erweist sich wieder als genialer Drehbuchautor. Die Form: Eine Rückblende auf ein offenbar verpfuschtes Leben, was man erst gar nicht glauben mag - hier TV-Shows, das weltreisender Killer. Der Ton: Lakonisch, mit Witz, nie salbadernd. Die Dialoge: Knackig.
George Clooney als Regiedebütant sollte sich überlegen, ob er nicht ganz hinter die Kamera wechseln will. Da finde ich ihn besser aufgehoben, als davor - obwohl er da schon sehr smooth ist, selbst als charming grinsender Schnauzbartträger mit scheußlichem Hut.
Der Generationswechsel im Kino erreicht zusehends Hollywood. Spielberg, Lucas, Cameron, Scorsese... sie alle bringen wahlweise das Erprobte perfekt oder gleich gar nichts mehr. Die neuen Jungs auf dem Regiestuhl arbeiten mit Bildverfremdungen, verrückten Schnitten, erstaunlichen Kameraperspektiven und - siehe oben - genialen Autoren.
Clooney montiert Anschlüsse in seinem Film, dass mir der Atem stockt und ich dann still vor mich hin grinse im Kino vor lauter Freude. Ja... das hat was von der MTV-Bildästhetik. Aber ohne diese gräßlichen Schnitte alle fünf Frames.
Außerdem hat er gute Freunde im Business. Julia Roberts tritt für eine Gage von - so schreibts der Klatsch - nur 200.000 Dollar auf und ist gut, wie selten. Brad Pitt und Matt Damon haben Kleinstrollen, die - sofern man sie in der Schnelle erkennt - ein schicker Brüller sind und die zudem manch gestandener Profi-Statist empört zurückweisen würde... "Is' ja nich' ma' Text!" An solchen Kleinigkeiten im Star-besoffenen Tinseltown merkt man: Clooney arbeitet gerne und gut im Team, jeder arbeitet gerne mit ihm und das sieht man dann dem ganzen gut gelaunten Film durchgehend an.
Sam Rockwell als Chuck ist eine echte Entdeckung für das breite Publikum - auch wenn ich mich frage, warum Clooney dauernd dessen nackten Hintern ins Bild zieht; soll vielleicht zeigen: Der Mann ist am Arsch!
Großartiges Script. Saftige Regie. Wunderbarer Schnitt. Zum verlieben gute Schauspieler.
Wertung: 6 von 6 €uro
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