Filminfo:
G: Gangs of New York
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Ein ambitioniertes Lebenswerk
das an seinen Ambitionen scheitert
| Titel |
Gangs of New York
(Gangs of New York) |
| Drehbuch |
Jay Cocks, Steven Zaillian, Kenneth Lonergan |
| Regie |
Martin Scorsese, USA 2002 |
| Darsteller |
Leonardo DiCaprio, Daniel Day-Lewis, Cameron Diaz, Jim Broadbent, John C. Reilly, Henry Thomas, Liam Neeson, Brendan Gleeson, Gary Lewis, Stephen Graham, Eddie Marsan, Alec McCowen, David Hemmings, Larry Gilliard jr., Cara Seymour, Roger Ashton-Griffiths, Peter Hugo Daly u.a. |
| Genre |
Drama |
| Filmlänge |
166 Minuten |
Inhalt
Die sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts in Lower Manhattan. Die USA standen vor dem Bürgerkrieg, die Gesellschaft drohte auseinander zu brechen. Für die armen Bewohner von New York City tobte der Kampf allerdings schon lange - und zwar direkt vor ihrer Haustür - in Five Points, eine der ärmsten Gegenden der USA.
Rivalisierende Gangs kämpften um die Vorherrschaft auf den Straßen. Dieses Gebiet absoluter Armut zwischen dem New Yorker Hafen, dem wohlhabenden Geschäftsviertel der Wall Street und dem unteren Teil des Broadway, wo sich auch das berühmte American Museum von P. T. Barnum befand, wurde zum Anziehungspunkt für die Unterwelt.
Amsterdam Vallon ist ein junger irisch-amerikanischer Einwanderer, der nach 16 Jahren in einer Erziehungsanstalt in den Five-Points-Distrikt zurückkehrt, um sich an William Cutting zu rächen, besser bekannt als "Bill The Butcher" - und Mörder von Amsterdams Vater.
Um sich rächen zu können, muss er im engsten Kreis von Bills Gang Aufnahme finden. Noch schwieriger wird die Situation für ihn, als er Jenny Everdeane begegnet. Die hart erkämpfte Unabhängigkeit und die verführerischen Schönheit der geheimnisvollen Taschendiebin faszinieren Amsterdam. Doch auch Jenny hat eine Vergangenheit, durch die seine Pläne noch komplizierter werden.
Mitten in den Unruhen von 1863, die sich an der Mobilmachungspolitik der Regierung für den Bürgerkrieg entzündeten, erreicht auch die explosive Situation in Five Points ihren Höhepunkt. Die Straßenkämpfe und Aufstände jenes Jahres wurden zur Zerreißprobe für die USA - der härtesten, die das Land bis dahin erlebt hatte...
Was zu sagen wäre
Zu lang und doch zu kurz. Martin Scorsese hatte ursprünglich einen Film abgeliefert, der über vier Stunden lang war - immerhin hatte er 30 Jahre auf dieses Projekt über das "Entstehen" New Yorks hingearbeitet. Produzent Harvey Weinstein, Boss von Miramax, der sich Schlagzeilen trächtige Kämpfe mit dem "besten Regisseur seiner Generation" geliefert hatte, ließ den Film radikal kürzen. Das spürt der Zuschauer.
Das sehenswerte Projekt zuckelt im mittleren Teil so vor sich hin - zum Beispiel scheint die Entstehung der Beziehung zwischen Amsterdam und Jenny (Leonardo DiCaprio und Cameron Diaz) ursprünglich sehr viel länger gewesen zu sein. Im vorliegenden Film geht es mit ein paar Reibereien ab, die das Standard-Repertoire jeder romantischen Komödie darstellen - bei einem Scorsese eher unwahrscheinlich. Auch Jennys Beziehung zu Bill "the Butcher" muss im Schneideraum geblieben sein - sie wird angedeutet, liefert aber keinen Spannungsbogen (mehr).
Derlei Unregelmäßigkeiten gibt es einige sodass am Ende das Epos zu lang ist für das, was es zeigt; oder zu kurz für das, was es zeigen möchte.
Für den Nicht-New-Yorker wäre es auch schön gewesen, die Five Points geografisch genauer darzustellen. Vor dem Titelvorspann gibrt es zwar einen hübschen Kamera"flug", der die Verortung versucht. Das geht aber so schnell, dass man nach den Wolken nicht weiß, wo man vor den Wolken war - nur offenbar irgendwo im Süden von Manhattan..
Am Ende entsteht New York im Zeitraffer und der Zuschauer darf vermuten, dass er sich die vergangenen zweieinhalb Stunden im späteren Brooklyn aufgehalten hat. Aber während der restlichen Zeit ehen wir nur Dreck und Staub und Blut und Gewalt und DiCaprio und Day-Lewis und Diaz und und und...
Alles andere ist sensationell: Die Kulissen üppig, die Bilder großartig, die Schauspieler exquisit. In jeder Einstellung gibt es mehr zu sehen, als bei einmaligem Kinobesuch zu erfassen ist - einen zweiten Besuch aber wird es in diesem Fall nicht geben und selbst eine üppigst ausgestattete DVD kann die Leinwandbilder nicht so klar zeigen wie ein Kino.
Wer weiß: vielleicht liefert ja irgendwer irgendwann den vollständigen "Director's Cut". Martin Scorsese ist ja schließlich nicht irgendwer. Es wird genügend Leute geben, die sich Scorseses "Gangs of New York" gerne auch in einer viereinhalb Stunden Fassung ansehen.
Wertung: 4 von 6 €uro
Die Presse schreibt im Vorfeld:
Martin Scorseses groß angelegter Versuch, die blutigen Bandenkriege im New York der Jahre 1846 bis 1863 als Beispiel für die gewalttätigen Ursprünge Amerikas zu interpretieren. Der lange und überfrachtete Film enthält hervorragend inszenierte Sequenzen von archaischer Kraft, verzettelt sich aber in Detailverliebtheit und thematische Wiederholungen. Zudem ist der zentrale Konflikt zwischen dem Anführer einer Gang und dem auf Rache sinnenden Sohn eines seiner irischen Einwanderer-Opfers zu schematisch und voraussehbar, als dass der ausufernde Film in ihm auf Dauer ein genügend fesselndes Zentrum finden könnte.
Cinema 2003-03: Vielleicht hat Martin Scorsese zu lange an seinem Traumprojekt gearbeitet. Denn dem grandios ausgestatteten Epos über rivalisierende Banden im New York des 19. Jahrhunderts geht streckenweise die Puste aus.
Chronik der historischen Ereignisse:
- 1800 Die Bevölkerung von New York City zählt 60.000 Einwohner
- 1825 Fertigstellung des Eriekanal
- 1830 Frühe Five-Points-Gangs formieren sich - auch The Dead Rabbits
- 1834 Gebürtige Amerikaner gründen eine politische Partei
- 1845 Beginn der großen irischen Hungersnot
- 1847 Die Zahl irischer Einwanderer in New York wächst ins Unermessliche
- 1855 Die Bevölkerung von New York City zählt 800.000 Einwohner
- 1857 Erster Aufstand in Five Points
- 1861 Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs
- 1863 Gewalttätige Aufstände in den Straßen von New York City
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