|
||||||||||||||||
InhaltEgal, was Du erreicht hast, egal, was Du tust... es gibt immer einen Jüngeren, Schnelleren und Stärkeren, der nur auf seine Chance zum Überholen wartet. Das ist die Wahrheit, mit der Football-Trainer Tony D'Amato am Wendepunkt seines Lebens fertig werden muss. Vier Jahre ist es her, dass D'Amato's Team, die "Miami Sharks" zwei mal hintereinander den Pantheon-Cup, die nationale Meisterschaft gewonnen hat. Aber im Leben der Profis sind vier Jahre eine Ewigkeit. Heute kämpft seine Mannschaft nach drei Niederlagen in Folge mit schwindender Aufmerksamkeit, hämischen TV-Kommentatoren und Lokalpolitikern, die ein siegreiches Heimatteam so dringend für ihre Wiederwahl brauchen und mit alternden Football-Helden, insbesondere mit dem 39jährigen Quarterback Jack "Cap" Rooney, der sich verzweifelt an das klammert, was ihm als Spieler noch bleibt. Außerhalb des Trainigsgeländes hat es D'Amato mit Christina Pagniacci zu tun, der neuen Präsidentin und Miteigentümerin der "Sharks" - der Kollisionskurs ist bereits programmiert. Anders als ihr alter Vater, der noch an die hehren Werte im Sport glaubt, managt Christina die "Sharks" als Rädchen im Getriebe der modernen Welt des Sports, anders gesagt: "Wertvoll sind nur profitable Teile des Unternehmens, die sich in Medien, Werbung und bei Sponsoren gewinnbringend vermarkten lassen." Eine Verlierertruppe bedeutet, dass Investoren abspringen. Christina mag neu in der Männerwelt "Football" sein, aber je tiefer die Krise der "Sharks", desto mehr Erfahrung sammelt sie und niemand mag ausschließen, dass sie zu einer Naturgewalt in der modernen Welt des Profisports wird. Cap Rooney, Quarterback und Symbol für die große Vergangenheit der "Sharks", wird mitten im Niedergang des Vereins von den Schuhen gehauen - schwer verletzt fällt er mehrere Wochen aus, das Erreichen der Play-Offs rückt in weite Ferne. Dies wird die Chance für den unerfahrenen Willie Beamen, der sich als erstes einmal auf dem Platz vor einem Millionen-Publikum aus lauter Nervosität übergibt. Das hält ihn aber andererseits nicht davon ab, nach einigen wenigen Stolperern durch ausgefeilte, überraschende Spielzüge auf sich aufmerkasam zu machen und die "Sharks" in die Play-Offs zu spielen. Beamen allerdings hat ein Problem: Er spricht seine Spielzüge weder mit den Mannschaftskameraden noch mit dem Trainer ab und bleibt Einzelgänger, der sich zu Höherem berufen fühlt. Stolz pilgert er von Titelblatt zu Titelblatt, erfreut sich der Unterstützung durch seine Präsidentin, die in ihm die Rettung der "Sharks" erkennt, nur um im entscheidenden Spiel von seinen Teamkollegen im Regen stehen gelassen zu werden. Eine Standpauke von D'Amato, der Beamen die hehren Werte des traditionellen Mannschaftssports zu vermitteln versucht, geht nach hinten los und zum ersten Mal muss D'Amato seine jahrelang hochgehaltenen Ideale in sachen Freundschaft und Loyalität in Frage stellen und sich auch im Kampf gegen sein eigenes Präsidium bewähren. Christina Pagniacci ihrerseits muss erkennen, dass beim Football nicht von ungefähr von einer Männerwelt gesprochen wird ... Was zu sagen wäreEgal, was Du erreicht hast, egal, was Du tust ... es gibt immer einen Jüngeren, Schnelleren und Stärkeren, der nur auf seine Chance zum Überholen wartet. Klingt vielleicht abgeschmackt, aber man könnte den Eindruck haben, Stone habe diesen Football-Film als Parabel auf seine eigene Karriere gedreht. Der ehemalige OSCAR-Abräumer hatte sich in Hollywood durch sein wilides Treiben kaum Freunde gemacht und war bei erster Gelegenheit an den Rand gedrängt worden; JFK - Tatort Dallas und vor allem "Natural Born Killers" hatte nicht nur Bewunderer. Plötzlich zählten seine Erfolge nicht mehr. Plötzlich backte Stone kleinere Brötchen, von denen das vorliegende Football-Drama schon wieder ein größeres ist. Mit dem packenden und dramatischen Any given sunday kehrt Stone inszenatorisch zu seinen Erfolgen von einst zurück: eine zweieinhalbstündige Videoclip-Ästhetik jagt die Zuschauer durch den Überlebenskampf der "Sharks", bei denen es sich freilich um eine fiktive Mannschaft handelt. Auch den Pantheon-Cup gibt es nicht. Die Mächtigen der "National Football League" (NFL) konnten sich mit Stones Projekt nicht anfreunden. Nach mehreren Gesprächen einigte man sich, dass man sich nicht einig sei, eine Unterstützung durch die NFL fiel aus. Stone und seine Produzenten erfanden eine ganze eigene Footballliga, die "Associated Football Franchises of America" (AFFA). Dennoch tauchen viele Größen des modernen Footballs im Film auf. "Any given Sunday" ist weniger ein Football-Film, als mehr eine atemlos schnelle Metapher auf den allgegenwärtigen Wandel der Zeiten - eine Ideologie gerät unter die Räder modernen Marketings. Wertung: 9 von 11 D-Mark Die Filme von Oliver Stone |