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Ullsteinroman

Buchcover: Ullsteinroman

nur dabei
statt mittendrin

Titel Ullsteinroman
Autor Sten Nadolny, Deutschland 2003
Verlag Ullstein
Ausgabe Gebunden, 488 Seiten
Genre Roman

Inhalt

Hajum Hirsch Ullstein betrieb noch eine Papiergroßhandlung in der Nachbarschaft der Synagoge in Fürth, dem "fränkischen Jerusalem". Sein Sohn Leopold wagte den Sprung nach Berlin, wo er die erste Zeitungsdynastie des Kontinents gründete. Seine fünf Söhne erweiterten das Verlagsimperium um Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Illustrierte und vieles andere. Sie schufen den ersten modernen Medienkonzern der Welt, bis die Nazis den Verlag zerschlugen und die Familie ins Exil trieben.

Die Story der Ullsteins ist ein Stück deutscher Wirtschafts-, Demokratie- und Pressegeschichte. Sie bedeutet aber auch eine genaue Beobachtung des Antisemitismus über Jahrzehnte hin. Vor allem hat Sten Nadolny den mitreißenden Roman einer ehrgeizigen, einfallsreichen Familie geschaffen, mit allen Fehlern, Schwächen und Rückschlägen, mit allen Erfolgen und Hoffnungen. Und, ganz unvermeidlich: Liebe und Glück kommen auch vor...
aus dem Klappentext



Was zu sagen wäre

Ganz nett, muss aber nichtNur dabei, statt mittendrin. Warum man das Buch schon im Titel einen "Roman" nennt, ist mir nicht ganz klar. Sten Nadolny präsentiert die üppigen Ergebnisse einer Fleißarbeit, schreibt Dönekes an Dönekes, bringt jeden Ullstein-Abkömmling, -Anverwandten, -Eingeheirateten ins Spiel, bleibt dabei aber immer vor dem Fenster stehen und tritt nie ein in die unterschiedlichen Wohnungen und Häuser der Ullsteins, sodass ich nach der zweiten Generation den Überblick verloren habe und auch nicht mehr dauernd im Anhang nachschlagen möchte, wer jetzt noch mal gleich wer war.

Dennoch ist das Buch über strecken eine gelungene Geschichtsstunde: Wir galoppieren einen hundertjährigen Zeitstrahl entlang, kommen in Berührung mit der jüdischen Gemeinde in Führt, der "Adler" genannten Lokomotive, mit Einstein hier und Virchow da und als wir uns dem Nationalsozialismus nähern, verlässt Nadolny über viele Seiten die Familie, um dem Leser dann doch noch mal zu erklären, wie das denn nun war mit den nazis und wie es zum Ermächtigungsgesetz kam und was Hindenburg damit zu tun hatte und und und. Es war das viele über die deutsche Historie zwar von vielen erschöpfend, aber eben noch nicht von allen gesagt. Über die Familie Ullstein erfahren wir da nur, wer wann aus demLand geflohen ist.

Ich habe das Buch um 2005 rum zu Weihnachten geschenkt bekommen.

Gelesen zwischen dem 19. Oktober 2009 und dem 21. Januar 2010.

Der Autor:
Sten Nadolny, geboren 1942 in Zehdenick an der Havel, aufgewachsen in Oberbayern, studierte Geschichte, arbeitete als Lehrer und in Spielfilmproduktionen.
1981 erschien
sein erstes Buch "Netzkarte", zwei Jahre später der sehr erfolgreiche Roman "Die Entdeckung der Langsamkeit".
Weitere Romane: "Selim oder die Gabe der Rede" (1990), "Ein Gott" der Frechheit" (1994), "Er oder ich" (1999).
Nadolny lebt in Berlin und Bayern.