07. Februar 2012
Wer hat heute noch Zeit für ein Buch? Lesen wird Anfang des 21. Jahrhunderts zur aussterbenden Tätigkeit erklärt: Zuerst hängt "die Jugend" nur noch noch vor der Glotze - oder im Internet - dann sind die Tage des Kulturgutes aus Papier gezählt, wird Kindle & Co. das Wort geschrieben.
Trotzdem sind die Buchläden weiter voll mit neuen Büchern und gut besucht von lesender Kundschaft. Trotzdem sprießen überall neue Fillialen großer Buchketten aus dem Boden. Dabei sind die Buchketten genauso von Übel, wie alle Geschäftsketten. Wann immer ich kann, kaufe ich meine Bücher beim lokalen kleinen Händler - "aus Prinzip", wie ich mir selber auf die Schulter klopfe. Ist nicht schwer, solange es die Buchpreisbindung in Deutschland gibt. Immerhin: Wenn ich in der Mainzer Gutenberg-Buchhandlung Dr. Kohl eine Frage zu einem Buch habe - egal wie abseitig - bekomme ich kompetente Antwort. Und die Gutenberg-Buchhandlung ist - kein Wuder - längst kein kleiner lokaler Händler mehr, behauptet sich bislang erfolgreich gegen Hugendubel und Co.
Ich bin Bestsellerorientiert. Literatur als Kulturgurt wurde mir in der Schule ausgetrieben. "Was will uns der Autor sagen?" hat mich immer weniger interessiert, als die Frage, "was erzählt er denn eigentlich?" Aber die war in den 1970er Jahren im Lehrplan für Deutsch am Gymnasium in NRW offenbar nicht vorgesehen. Autoren, die über Seiten das Wachsen eines Gänseblümchen begleiten, leben nicht in meiner Welt, schreiben also Fantasy, Science-Fiction oder Arztromane und damit jene Kategorien, mit denen ich literarisch eher nicht kann.
Dafür habe ich Harry Potter komplett gelesen. Den Herrn der Ringe schon, da war ich 18 und dachte, dass ich den irgendwann mal verfilmen würde; das hat dann Peter Jackson gemacht und dem kann ich filmisch nichts hinzufügen. Aber ehrlich? Vom Lord of the Rings fand ich eigentlich nur das zweite Buch richtig Klasse.
Stephen King habe ich bis 2001 komplett gelesen. Danach hat er mich nicht mehr gereizt. Bis er 2009 Die Arena präsentierte, die er schon 1976 konzipierte. Ein großartiger Roman.
Zwischenzeitlich bin ich zu Jonathan Franzen gekommen, zu Tom Wolfe, Zeruya Shalev. Und zu den Säulen der Erde.
Den ersten Autor, den ich in Serie gelesen habe, war Raymond Chandler, unmittelbar gefolgt von Dashiel Hammet. Beide hatten Romane geschrieben, die mit Humphrey Bogart, Held meiner Jugend, verfilmt wurden. Mich haben die angeblichen Leselust-Killer Kino und Fernsehen erst zum Lesen verführt.
Dazwischen liegen SPIEGEL, Süddeutsche Zeitung und Mainzer Allgemeine Zeitung auf meinem Nachttisch sowie Glossen und zunehend auch wieder Comics - MARVEL, STAR WARS - "Knights of the old Republic" und "Legacy". Auch verschlungen: Watchmen - sowohl Comic als auch Film.
Weil heute kaum etwas ohne einfache Bewertungskriterien auskommt, sieht meine Daumen-hoch-Daumen-runter-Wertung so aus:
So soll ein Buch sein
Ist ganz okay
lieber auf den Film warten
Ich habe selbst ein Buch geschrieben. Es heißt "Das Imperium der Elche" und ist vierhundertfünfzig Seiten dick. Vor dem Hintergrund einer Kinoeröffnung in München bekommt dessen Chef Ärger mit einer neuen Kollegin und dadurch auch mit seiner Frau. Hier gibt es Leseproben.
Im Moment lese ich ... Oskar Roehlers "Herkunft"